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Jörg Rensmann, Ein Friedenshindernis: Das palästinensische Curriculum

Jörg Rensmann, Board SPME-Germany, Director of program MFFB Abstract

The depiction of Israel and Jews in Palestinian Textbooks

Schoolbooks are a significant – perhaps the most significant – indicator of the values a society desires to pass on to its next generation. They transmit ideals and knowledge, regarding their own culture and others, that have been accounted worthy to pass on to children. They orient children with regards to social and cultural relations, and help to form an approved, picture of the community into which children grow. Educational texts have a major role in the process of children‘s and teens‘ socialization, although of course individuals also access other information. This is because textbooks are perceived as authorized and objective presentations of reality. Therefore, their content is of major importance. The particular concern of this report is the ability of educational texts to form and/or reduce prejudice, intolerance and biased perceptions. This report is the result of research into the presentation of Israelis and Jews as „the other“in textbooks authored by the Palestinian Authority (PA). Particular emphasis is placed on issues such as tolerance and impartial representation. The analysis includes texts, charts, photographs, illustrations, and maps. What is omitted from representations in these media is often just as important as what is present, as both inform readers‘ understandings of Israelis and Jews. For example, the Shoah, anti-Semitism, and Jewish heritage in Palestine are not mentioned in the surveyed textbooks. The principles and guidelines of UNESCO‘s Education Strategy 2014– 2021 were used as guiding criteria for this analysis. UNESCO‘s guidelines state that educational books should encourage mutual understanding, and must acknowledge other human beings, religions, and societies as equal. Descriptions and depictions of „others“ which give rise to misjudgments and biases should be avoided. All teaching content should aim to solve conflicts in a peaceful and non-violent manner. An analysis of Palestinian school textbooks from Grades 1 to 9 demonstrates that the educational contents do not encourage a constructive understanding of Israelis and Palestinians. Instead, they propagate a climate of violence.

The following lecture shows that:

  • Palestinian school pupils do not gather any balanced information about Jewish culture, religion, or history, or about modern Israeli society.
  • The predominant reasons for Jewish immigration to Palestine, namely anti-Semitism and the Shoah, are never mentioned.
  • The surveyed textbooks consistently portray Jews in a strongly negative manner, and often demonize them. Jews are rarely individuated, but instead are subsumed into a stereotype or the concept of Zionism.
  • The textbooks reveal serious omissions regarding Jews within the historical context of Palestine. They first appear as Zionist colonizers and settlers at the end of the nineteenth century.
  • The effect of this is that the Jewish presence in modern Israel is delegitimized.
  • Jewish and Israeli places, as well as the State of Israel as a whole, are not found on maps included in the textbooks. The existence of Israel is denied.
  • Instead, the maps label the area inside the modern borders of Israel, including the West Bank and Gaza, as ‚Palestine‘.
  • The terminology with which the books refer to Jews and Israelis is not neutral, but often pejorative. The contrast between them and Palestinians akin to that is between evil and good. The Palestinian resistance against Jews is glorified.

In conclusion, the content of official Palestinian textbooks is detrimental to fostering understanding between the two groups. The books do not appeal to the possibility of understanding and reconciliation, but rather encourage aggression and strengthen prejudices. They describe Palestinians and Israelis as enemies, and contain nothing to render mutual understanding a likelihood. To ensure that coming generations work toward a process of peace rather than conflict, children must be provided with more balanced and informative learning content.

Das Mideast Freedom Forum hat im Rahmen einer von den Bundestagsabgeordneten Michael Leutert (Linke), Volkmar Klein (CDU), Sven-Christian Kindler (Grüne) und Johannes Kahrs (SPD) beauftragten und unterstützten Studie offizielle Schulbücher der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Fächer Geschichte und »Nationale Erziehung« der Jahrgänge eins bis neun analysiert. Eingesetzt werden die Bücher an staatlichen sowie vom UN-Hilfswerk UNRWA geführten Schulen im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Ihre Inhalte legt maßgeblich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) fest, die quasistaatliche Einrichtung mit Regierungsfunktionen unter Präsident Mahmoud Abbas. Von 2000 bis 2005 waren die besagten Bücher erstmalig Teil des palästinensischen Kerncurriculums. Eine zweite, teils überarbeitete Auflage wurde von 2011 bis 2014 eingeführt. Schulbücher sind ein sehr zentraler Indikator dafür, welche Werte eine Gesellschaft an ihre nächste Generation weitergibt. Sie vermitteln Ideale und Wissen, lehren akzeptierte Formen des Umgangs miteinander und geben Orientierung – gerade in Bezug auf andere Zivilisationen und Nationen. Die MFFB-Studie läßt den Schluß zu, dass die aktuellen palästinensischen Schulbücher alles andere als eine Voraussetzung für Frieden, Koexistenz und Verständigung schaffen. Es dominieren sehr eindeutig die Delegitimierung und Dämonisierung des jüdischen Staates. Selbst in Mathematik-Büchern werden Viertklässler dazu angehalten, palästinensische sogenannte ›Märtyrer‹ zu addieren, das heißt schon die Jüngsten innerhalb der palästinensischen Gesellschaft werden indoktriniert. In den Büchern wird Israel als unrechtmäßig dargestellt, es gibt weder Informationen über die jüdische Kultur oder Religion, noch über die gegenwärtige israelische Gesellschaft. An keiner Stelle ist eine Karte des jüdischen Staats in seinen heutigen Grenzen abgebildet. Stattdessen umfasst »Palästina« stets das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. Israelische Städte wie Akko, Safed und Haifa werden allenfalls als palästinensische touristische Orte gekennzeichnet. Tel Aviv und die bevölkerungsreichste Region, Gush Dan, erscheinen auf keiner Karte. Auch Tiberias und Beit She’an werden als Städte im palästinensischen Jordantal präsentiert. Zudem kollektivieren und entpersonalisieren die Bücher die Israelis, indem durchweg von »der zionistischen Bewegung« geschrieben wird. Es erfolgt keine individuelle Bezugnahme auf Juden. Dadurch fällt die Heterogenität der israelischen Gesellschaft mitsamt ihren vielfältigen Widersprüchen unter den Tisch. Hinzu kommen teils auch antisemitische Verschwörungstheorien, wonach die »zionistische Bewegung« in den Vereinigten Staaten Medien und Wirtschaft beherrsche. Zionisten gelten ausnahmslos als »Kolonisten«, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in Zusammenarbeit mit Großbritannien Palästina aneignen und die dortige Bevölkerung vertreiben wollen. Jüdisches Leid ist kein Thema, nicht ein einziges Mal werden Antisemitismus und Shoah erwähnt. Dadurch werden zentrale Momente des Zionismus außer Acht gelassen und damit wird auch die heutige jüdische Präsenz in Israel delegitimiert. Stattdessen glorifizieren die Bücher häufig den auch gewaltvollen »Widerstand« gegen die als aggressiv präsentierten »Besatzer« – Besatzung bezieht sich hier, wie erwähnt, auf »ganz Palästina«. Palästinensischer Terrorismus wird als revolutionär, heldenhaft und als gerechtfertigtes Opfer für die »gute Sache« verklärt. In keinem der Lehrbücher finden sich Textstellen, die für ein einvernehmliches Miteinander plädieren.

Die beständige Präsenz meist religiöser Juden in Palästina über die Jahrhunderte seit nahezu viertausend Jahren findet keine Erwähnung. Juden erscheinen nicht nur als Widersacher, auch ihre Präsenz vor 1948 wird geleugnet. Letzteres zeigt sich unter anderem in der Manipulation von Fotos. So wurde auf einer Briefmarke aus der Zeit des UN-Mandats (1917–1948) die offizielle hebräische Bezeichnung für das Gebiet entfernt. Unter der Abbildung des Jerusalemer Felsendoms ist in diesem Schulbuch nur noch »Palästina« auf Arabisch zu lesen. Ein weiteres Beispiel: In einem anderen Buch wird der Anspruch auf Jerusalem als ausschließlich arabische Stadt geltend gemacht. Im Wohnzimmer einer fiktiven Familie, die die Schüler im Buch kennenlernen, hängt ein Bild mit der Aufschrift »Jerusalem ist unser«. Insgesamt erfahren die palästinensischen Kinder und Jugendlichen weder etwas Substantielles über jüdische Religion und Kultur noch über die plurale, multikulturelle israelische Gesellschaft und die Verfasstheit Israels als demokratischer Staat. Die in den Schulbüchern vorgenommene Darstellung steht somit einer Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern entgegen. Vielmehr begünstigt sie Gewalt und verstärkt Vorurteile. Die Geschichtsdarstellung aus palästinensischer Perspektive läuft auf eine Darstellung von Juden und Israelis als Feind hinaus. Die Finanzierung dieser Friedenshindernisse erfolgt vor allem über die Europäische Union. Es steht daher jeder EU-Mitgliedstaat in der Pflicht. Interessanterweise wird im Impressum der Bücher die Unterstützung durch Italien und Belgien besonders hervorgehoben. Hier scheint es also eine besonders starke Förderung zu geben. Dazu kommt natürlich auch die Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 2015 zahlte sie 91 700 000 Dollar, sie ist der fünftgrößte Einzelspender des UN-Hilfswerks UNRWA, das allein im Gazastreifen 250 Schulen unterhält. Daneben überweist die BRD jährlich 150 Millionen Euro an die PA in Ramallah, wobei unklar ist, für welche Projekte genau das Geld verwendet wird. Die starke finanzielle Unterstützung von PA und UNRWA bietet die Möglichkeit, Einfluss auf die Inhalte der Bücher zu nehmen, daher sehen wir hier vor allem die Bundesregierung in der Pflicht, über den gemeinsamen deutsch-palästinensischen Lenkungsausschuß entschieden Reformen voranzutreiben. Eine Neugestaltung der Schulbücher haben der palästinensische Bildungsminister Sabri Sidam sowie Ministerpräsident Rami Hamdallah aber gegenüber der UNRWA bisher kategorisch abgelehnt, und solange die Europäer hier nicht handeln und Druck notfalls auch finanzieller Natur aufbauen, wird sich unserer Einschätzung nach daran nichts ändern, denn dann steht die US-Regierung, die das Problem erkannt hat, mit ihren Reformvorschlägen relativ alleine da. Jüngst aber hat auch Großbritannien angekündigt, das palästinensische Schulcurriculum einer Überprüfung zu unterziehen, aus Berlin hört man dazu bisher nichts. Das Bild von Israel und Juden in den palästinensischen Schulbüchern muss grundlegend verändert werden. Erziehung zum Frieden sieht anders aus. Und wenn Geld aus dem Ausland zur Verfügung gestellt wird, dann muss das an Bedingungen geknüpft werden. In den Büchern sollte vermittelt werden, dass Juden legitime territoriale Ansprüche haben – Ansprüche, die sich religiös und historisch über die jahrhundertelange Präsenz in der Region begründen lassen. Die palästinensischen Kinder und Jugendlichen haben etwas Besseres verdient als antiisraelische Propaganda und politische Funktionalisierung. Zum Vergleich: Israelischen Lehrbücher gehen auf die muslimische und arabische Kultur und Geschichte ein. Zudem sind Toleranz und Koexistenz zwischen den Religionen sowie mit den arabischen Nachbarn – und das schließt die Palästinenser und die israelisch-palästinensischen Staatsbürger Israels mit ein – zentrale Themen. So wird etwa die Nakba, also die palästinensische Vertreibung und Flucht von 1948, die auch so benannt wird, im Geschichtsunterricht thematisiert.

Erziehung zur Mündigkeit

Im von der islamistischen Hamas beherrschten Gazastreifen und in der Westbank dagegen werden palästinensischen Schülerinnen und Schülern Lehrinhalte vermittelt, die nicht dazu beitragen, diese jungen Menschen zu ich-starken, selbstbewussten und vor allem urteilsfähigen freien Individuen auszubilden. Die Lehrinhalte tragen nicht dazu bei, den Schülerinnen und Schülern die Perspektive einer friedlichen, prosperierenden und dauerhaften Koexistenz an der Seite des demokratischen Staates Israel zu vermitteln. Im Gegenteil.

Sie haben einen erheblichen Anteil daran, Hass und Vorurteile gegen Juden und jüdische Israelis zu fördern und zu festigen und damit Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu ermöglichen, sie zu rationalisieren und zu legitimieren.

Wer es mit der Zukunft einer palästinensischen Gesellschaft ernst meint, die anerkannten zivilisatorischen Standards genügt, wer sich ernsthaft eine prosperierende, demokratisch verfasste palästinensische Gesellschaft mit entsprechendem Bewusstsein wünscht, muss dazu beitragen, dass entsprechende Bedingungen dafür geschaffen werden.

Wer sich also glaubwürdig für einen Friedensprozess im Nahen Osten zwischen Arabern und Israelis einsetzen möchte, sollte mit dazu beitragen, dass auf palästinensischer Seite eine gesellschaftliche Veränderung in Richtung auf Demokratie, auf Stärkung des Individuums und seiner Rechte und auf Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten eintreten kann. Dazu zählt eine Wissensvermittlung in Bildungsinstitutionen, die nicht zu Hass und Gewalt beiträgt. Mit anderen Worten: es bedarf weiterhin politischer Initiativen auf nationalstaatlicher wie europäischer Ebene, um hier dauerhaft Veränderungen zu bewirken. Schließlich sind es auch deutsche und europäische Steuergelder, die dazu beitragen, dass antijüdischer Hass geschürt wird.

Die finanzielle Förderung sowohl von UNRWA als auch die der PA seitens der EU wie auch seitens der einzelnen Mitgliedsstaaten sollte weitaus verpflichtender und öffentlich transparenter an Bedingungen geknüpft werden, die es palästinensischen Medien und Schulbüchern verbieten, antisemitisch motivierte Bilder, Vorurteile und Ressentiments zu schüren und zu verbreiten. Dies sollte einen seitens der Geberländer kontinuierlich zu verfolgenden Monitoring-Prozess einschließen.

Jörg Rensmann, Programmdirektor Mideast Freedom Forum und Vorstandsmitglied SPME Deutschland, mit David Labude, Programmmanager Mideast Freedom Forum.